Sportler mit einer Plexusparese und sportliche Plexuskinder
Für Betroffene und betroffene Familien ist es immer sehr spannend zu hören und zu sehen, wie das Leben von anderen „Plexuskindern“ aussieht.

Wir stellen hier Sportler mit einer Plexusparese, die auf höchstem Niveau an Wettkämpfen teilnehmen, wie
Biathlet Steffen Lehmker, Radsportlerin Yvonne Marzinke und Snowboarder Simon Patmore, und sportliche Plexuskinder vor.
Wir freuen uns über Vorschläge über weitere Sportler und Rückmeldungen von Plexuskindern, die uns mehr über ihren Sport erzählen möchten.
Als unser Sohn klein war wollte er unbedingt ein Laufrad, sein Freund hatte ja auch eines. Unser erster Gedanke war “das kann er ja sowieso nicht”. Heute fährt er Fahrrad und BMX. Es ist ganz wichtig den Kindern etwas zuzutrauen, sie zu motivieren und ausprobieren zu lassen. Auch wenn das für einen selber nicht immer leicht ist und so manchen Schweißausbruch verursacht
Betroffene Mutter
Wichtig ist es doch herauszufinden was man kann. Bau das auf und gib nicht auf, mess dich an dir selber so gut es geht und gehe deinen Weg.
Steffen Lehmker, Biathlet
Sportliche Plexuskinder
Yvonne Marzinke
Foto: Oliver Kremer,
Pixollistudios
Viele Menschen mit einer Behinderung wissen nicht wie facettenreich der Behindertensport ist. Nicht jeder muss an Wettkämpfen teilnehmen oder sich am Leistungssport orientieren. Es geht dabei um das „dabei sein“ und um zusammen mit Freunden etwas zu unternehmen. Wichtig ist, dass man etwas tut.
Yvonne Marzinke, Radsportlerin
Pressebericht vom 26.10.2016 in den „Kieler Nachrichten“
Urheber Kieler Nachrichten
Veröffentlichung auf www.plexuskinder.de mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
Veranstaltungen
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Para-Jugendsport-Event am 21.09.2017 in Hannover

Das Para-Jugendsport-Event ermöglicht es Kindern und Jugendlichen mit ihren Sportlehrern/-innen die Vielfalt des Behindertensports zu erleben und kennenzulernen. Euch erwartet ein breites Spektrum an Sportarten, die ihr ausprobieren könnt und ihr erhaltet Informationen, wo ihr den Sport im Anschluss ausüben könnt.
Es richtet sich an alle Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die an Förderschulen und an allen Regelschulen inklusiv beschult werden.

Wann: 21. September 2017
Wo: Sportpark Hannover und Maschsee
Zeit: 9.00 – 14.00 Uhr

http://www.bsn-ev.de/sport/jugendsport/para-jugendsport-event-2017/
Biathlon
Steffen Lehmker, Biathlet
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Steffen ist 27 Jahre alt und lebt in Niedersachsen. Er hat eine geburtstraumatische Plexusparese.

Steffen war schon immer sehr ehrgeizig und hat viel Sport gemacht. Er hat vieles ausprobiert und als Fußballer und Marathonläufer sportliche Erfahrung gesammelt und lange nach „seiner“ Sportart gesucht.

Seit 2016 nimmt er an nationalen und internationalen Wettkämpfen im Biathlon teil und ist Sportler im Nordic Paraski Team Deutschland.

Der Skisport war immer Teil des Familienurlaubs. Biathlon hat ihm einfach Spaß gemacht und er ist erst 2013 als "
Nachwuchssportler" in den Behindertensport eingestiegen. Alpin Ski betreibt er in der Freizeit.

Nach mehrere Operationen als Kind kann Steffen seinen betroffenen Arm gut beugen. Im Alltag hat er lediglich bei handwerklichen Dingen Probleme, die für ihn aber keine Einschränkung darstellen.

Steffen hat immer seinen Weg gesucht: „Ich konnte mit den „Normalen“ mithalten. Auch beim Sport habe ich keine Extrawurst gewollt. Handstand ging nicht, aber das ist ja nicht so tragisch.

Sein Motto vermittelt er auch seinen Schülern: „Pack es an so gut es geht, wenn nicht Frag um Hilfe.“
Wichtig ist es doch herauszufinden was man kann. Bau das auf und gib nicht auf, mess dich an dir selber so gut es geht und gehe deinen Weg.
Steffen Lehmker, Biathlet
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Steffens Eltern haben ihn ohne Zwang gefördert. „Natürlich ist das für Eltern schwer. Ich kenne es aber nicht anders. Bei uns wurde mein Arm nie als Problem gesehen und ich bin dankbar so wie es ist, und froh su gut integriert zu sein.“

„Meine Eltern wollten eigentlich, dass ich Klavier lerne, auch um die Feinmotorik zu trainieren, aber dazu hatte ich keine Lust. Seit seiner Jugend spielt er Schlagzeug und war viele Jahre in einer erfolgreichen Band. „Die sind inzwischen nach Amerika ausgewandert und recht bekannt (die Band heisst DenManTau), ich habe mich gegen die Profikarriere als Musiker und für ein bodenständigeres Leben in Deutschland entschieden.“

Er studiert Sport und Wirtschaft, auf Lehramt für die Berufsschule, seine Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Inklusion im Sportunterricht.

„Natürlich kamen für mich bei der Berufswahl, einige Berufe von Anfang an nicht in Frage. Als Berufsschullehrer war mein Handicap nie ein Problem.“

Beziehung waren für ihn nie ein Thema. „Sobald du etwas gut kannst, macht dich das selbstbewusst und dann klappt es auch eher mit den Mädels. Unser Schülerband war schon früh recht erfolgreich, wir hatte viele Auftritte und dadurch auch einen guter Draht zu Mädels. Er hat seine Jugendliebe geheiratet.

„Ich glaube jeder ist total unterschiedlich, man sollte nicht alle in eine Schublade packen. Wichtig ist es doch herauszufinden was man kann. Bau das auf und gib nicht auf, mess dich an dir selber so gut es geht und gehe deinen Weg.“
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Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Steffen Lehmker
Bogensport
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Hannah
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Hannah
E-Board
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Maximilian
Fussball
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Maximilian
Klettern
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Maximilian
Radsport
Yvonne Marzinke, Radsportlerin
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Yvonne Marzinke
Foto: Oliver Kremer,
Pixollistudios
Yvonne Marzinke Homepage, Yvonne Marzinke bei Facebook.
Yvonne ist 40 Jahre alt und lebt in Bayern und in ihrer Wahlheimat Österreich. Sie hat neben der geburtstraumatischen Plexusparese am linken Arm eine Behinderung mit Spitz-Klumpfuß, Beinverkürzung und ein versteiftes Sprunggelenk am rechten Bein.

Bei einem „ normalen“ Mountainbike Marathon mit Handicap Wertung in Saalbach-Hinterglemm fiel sie den Verantwortlichen vom Bayerischen Landeskader auf, danach begann ihre Radsportkarriere. Sie nimmt an nationalen und internationalen Para-Cycling Radrennen sowohl auf dem Straße als auf der Bahn teil und ist Mitglied der Deutschen Para-Cycling Nationalmannschaft. Immer wieder startet Sie auch bei regulären Radrennen und Radmarathons.

In der Mannschaft oder unter Freunden und Sportsfreunden spielt die Behinderung keine Rolle. Es wird voll akzeptiert. „Im Team ist das egal, jeder bringt seine Leistung im Rahmen seiner Möglichkeiten.“

Am Rad ist der Arm „aufgeräumt“ und ist ihr nicht im Weg. Ein Umbau des Rades war nicht notwendig. Wie viele Radsportler hat sie eine elektronische Schaltung und betätigt beide Bremsen ganz normal.

„Im Beruf war mein Handicap nie ein Problem. Ich hatte Glück, im Arbeitsleben versuche ich alles so normal wie möglich zu handhaben “ sagt Yvonne.

Yvonne verbrachte als Kind sehr viel Zeit im Krankenhaus und bei der Physiotherapie. „Es hat sich alles um mich gedreht, das kostet der Familie viel Kraft. „Für Geschwister ist es nicht leicht. Auch die Eltern müssen einen Weg finden. Es ist behindertes Kind in der Familie, das wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zeit braucht.“
Viele Menschen mit einer Behinderung wissen nicht wie facettenreich der Behindertensport ist. Nicht jeder muss an Wettkämpfen teilnehmen oder sich am Leistungssport orientieren. Es geht dabei um das „dabei sein“ und um zusammen mit Freunden etwas zu unternehmen. Wichtig ist, dass man etwas tut.
Yvonne Marzinke
Yvonne Marzinke Homepage, Yvonne Marzinke bei Facebook
Bei den Lebensabschnittspartnern hat Yvonne unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Sie erinnert sich an einen Freund in der Jugendzeit, dessen Eltern es nicht akzeptiert haben, dass die Freundin eine Behinderung hat. In anderen Beziehung hatten die Eltern eine sehr positive Haltung mit Respekt und auch Begeisterung über das sportliche Engagement.

In ihrem Alltag spielt der Sport eine große Rolle, viele Freunde sind Sportler, das Training gehört zum täglichen Tagesablauf und es stehen viele Wettkämpfe am Plan.

„Es ist mir sehr wichtig in Bewegung zu bleiben und dabei Spaß zu haben. Früher war es erst das therapeutische Reiten dann der „normale“ Reitsport, heute ist es der Radsport“ sagt Yvonne.

„Viele Menschen mit einer Behinderung wissen nicht wie facettenreich der Behindertensport ist.
Die Behinderungen sind sehr unterschiedlich. Nicht jeder muss an Wettkämpfen teilnehmen oder sich am Leistungssport orientieren.
Es geht dabei um das „dabei sein“ und um zusammen mit Freunden etwas zu unternehmen.
Wichtig ist, dass man etwas tut.

Radsport eignet sich ideal, auch mit der ganzen Familie.
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Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Yvonne Marzinke
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Yvonne Marzinke
Foto: Oliver Kremer,
Pixollistudios
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Maximilian, BMX-Rad
Rudern
Der Amerikanerin Danielle Hansen gewann mit ihrem LTA Mixed Coxed Four Team bei den 2016 Paralympics in Rio Silber. Sie startet derzeit für das Team ihrer Universität.
Schwimmen
Nick
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Nick schwimmt wie ein Fisch - Ein Plexuskind und der Schwimmsport

„ Als Nick die Seepferdchen-Schwimmprüfung bestanden hat waren wir so stolz“ erzählt seine Mutter, Simone, strahlend. In den letzten Jahren stand er schon viele Male bei Schwimmwettkämpfen auf dem Siegertreppchen ganz oben und die Jugendschwimmabzeichen Bronze und Silber und Gold hat er schnell mal nebenbei gemacht“. Er schwimmt im Leistungskader und hat in seiner Altersstufe gute Erfolge.

Nicks Erfolge beim Schwimmen sind etwas Besonders, denn er kann nur mit dem linken Arm die Schwimmbewegungen durchführen, sein rechter Arm ist teilweise gelähmt. Simone will gemeinsam mit Nick anderen betroffenen Familien von Nicks Leistungen beim Schwimmern erzählen und ihnen Mut machen, die Kinder zu unterstützen. In einem Interview mit Plexuskinder e.V. erzählt sie von Nicks Schwimmlaufbahn.

Wann hat Nick angefangen zu schwimmen?
Nick hat etwas länger gebraucht, um sich mit dem Schwimmsport anzufreunden. Das Seepferdchen schaffte er erst mit sieben Jahren, die meisten Kinder in seinem Schwimmkurs waren erst fünf oder sechs Jahre alt. Nach den Anfangsschwierigkeiten fand er schnell Spaß am Schwimmen. Wir wollten ihn dabei unterstützen.

Wie ging es dann weiter?
Wir haben Kontakt zur örtlichen Behindertensportgruppe aufgenommen. Über die Gruppe kam dann der Kontakt zum Behinderten-Sportverband NRW. Der Nachwuchsbeauftragte für den Schwimmsport, hat sich Nick bei einem Sichtungstraining angesehen. Wir bekamen dann Rückmeldungen was Nick gut kann und was noch verfeinert werden soll und Tipps für seine Trainer zu Hause.

Nick trainiert weiter in der Behindertensportgruppe vor Ort und wird regelmäßig zu Wettkämpfen und Trainingseinheiten eingeladen. Im Behindertensport wird durch ein funktionales Klassifizierungssystem versucht, die verschiedenen Handicaps miteinander zu vergleichen. Durch seine Klassifizierung wird Nick dann neunter, bei einer offenen Gruppe wäre er auf Platz 35. Das macht einen großen Unterschied beim Selbstbewusstsein. Nick soll im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Leistungen bringen. Vor allem soll es ihm Spaß machen.
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Wie hat Nick den Kontakt zu anderen Menschen mit Behinderungen erlebt?
Bei einem Wettkampf sagte Nick zu mir: „ Mama guck mal, die hat gar keine Beine und schwimmt trotzdem, wie toll“. Es tut Nick gut, andere Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu erleben. Wir schätzen den herzlichen Umgang in der Gruppe sehr.

Was macht Nick beim Schwimmen anders als andere Kinder?
Nick hat einen anderen Bewegungsablauf, ich könnte das gar nicht nachmachen.

Wie hat sich der Erfolg beim Schwimmen auf Nick ausgewirkt?
Nicks älterer Bruder ist erfolgreich beim Sport und Nick wollte endlich auch in etwas gut sein. Durch den Schwimmsport hat er seine Nische gefunden und bekommt Anerkennung, auch von seinem Bruder und dessen Freunden. Die schaffen das nicht! Selbst Nicks Papa ist beim Brustschwimmen langsamer als Nick beim Rückenschwimmen. Auch körperlich hat sich Nick durch den Schwimmsport sehr positiv entwickelt. Seine körperliche Statur hat sich sehr verändert. Er hat jetzt einen muskulösen Oberkörper und breitere Schultern. Früher waren die Brustmuskeln auf der betroffenen Seite sehr schwach, heute sieht man kaum noch einen Unterschied. Diese gesundheitlichen Effekte nehmen wir gerne mit!

Wie sieht Nicks Schwimmtraining aus?
Er schwimmt 2 -3 Stunden die Woche. Da geht es schon los mit einer Menge Bahnen einschwimmen. Das könnte ich nicht, da wäre ich danach tot!.

Was raten Sie anderen Eltern von Plexuskindern?
Hartnäckig bleiben, über Umwege gehen und vor allem den Kontakt zu anderen Betroffenen suchen.
Noah
Noah schwimmt seit er 5 Jahre alt regelmäßig und hat auch schon an verschiedenen Wettkämpfen im Behindertenschwimmsport teilgenommen. Seit er 14 ist schwimmt er mit Erwachsenen in einer Triathlon-Sportgruppe. Bei Langstrecken Wettkämpfen im offenen Wasser ist er nicht nur in seiner Altersklasse auf den ersten Plätzen, sondern auch unter den Erwachsenen sehr ehrgeizigen Schwimmern und Triathleten vorne dabei. Derzeit trainiert er für seinen zweiten Staffel-Triathlon in der Sprint Klasse.
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Snowboard
Der Australier Simon Patmore ist 2012 bei den Paralympics in London in der Leichtathletik als Läufer gestartet und gewann Bronze in den 200 m in der Klasse T46.

Seit 2014 nimmt er an Snowboard Wettkämpfen teil und verbringt ein Großteill des Jahres im Schnee mit der
Australischen Adaptive Snowboard Mannschaft.

Paralympic.org 30.07.2016 : " Mein erstes Mal auf einem Snowboard"
Wikipedia Beitrag
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Maximilian
Turnen
Die Australierin Emily ist Turnerin. Sie teilt inspirierende Bilder und Videos.
Tischtennis
Die Australierin Melissa Tapper spielt Tischtennis. Sie hat sich 2016 als erste Australierin sowohl für die Olympischen Spiele als auch für die Paralympics klassifiziert.
Sportliche Plexuskinder - Wall of Fame
Wir freuen uns über Vorschläge über weitere Sportler und Rückmeldungen von Plexuskindern, die uns mehr über ihren Sport erzählen möchten.
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